Bremer Polizei probt bei der BSAG den Ernstfall

Bremer Polizei probt bei der BSAG den Ernstfall
15. September 2017 Sonja Niemann

Es ist voll im Gelenkbus – und stickig. Besonders auf den hinteren Bänken herrscht Trubel. Fußballfans in Trikots grölen. Sie werden nur von der großen Trommel übertönt, die ein Fahrgast dabei hat und mit voller Kraft bearbeitet. Ist erst noch der »Scheiß-HSV« das Thema des Gebrülls, rückt plötzlich ein anderes Ärgernis an: Polizistinnen und Polizisten in Schutzausrüstung mit Helm und Schienbeinschonern.

Ihre Aufgabe ist es, den Bus zu räumen. Denn von den lautstarken Fans sollen Straftaten begangen worden sein. »Sachbeschädigungen, Körperverletzungen oder Diebstähle gibt es in solchen Situationen immer wieder«, sagt Ausbilder Bent Grote. 29 junge Leute, die kurz vor dem Abschluss ihrer Ausbildung zum Polizeikommissar stehen, sollen an diesem Tag lernen, mit welchen Herausforderungen sie es zu tun bekommen, wenn ein Einsatz in Bus oder Straßenbahn nötig wird.

Welcher Transportgriff ist im engen Bus der richtige?

Regelmäßig ist die Bremer Polizei bei der BSAG zu Gast, um in den Fahrzeugen des Unternehmens den Ernstfall zu proben. Statt vor dem Weserstadion steht der Bus mit den randalierenden Fans deshalb auch auf dem Betriebshof in der Neustadt. Und die jungen Leuten, die den wilden Mob mimen, sind genauso wie die Einsatzkräfte angehende Polizisten. An diesem Tag dürfen sie alle wüsten Beleidigungen ihren uniformierten Kollegen entgegenbrüllen, die sie in ihrem Berufsleben selbst wahrscheinlich lieber nicht hören würden.

»Das ist eine Situation, die wir jede Woche erleben«, sagt Grote. Mit Shuttle-Bussen werden regelmäßig Stadionbesucherinnen und -besucher vom Hauptbahnhof zum Osterdeich befördert – und dabei kann es auch zu Ausschreitungen kommen. »Für uns sind die Einsätze in Fahrzeugen wegen der räumlichen Enge schwierig«, erklärt Grote. Deshalb sollen die jungen Kollegen die richtigen Techniken lernen. Wie werden unkooperative Fans aus dem Bus geholt, wenn sie sich aneinander festklammern? Wie gehen die Türen im Notfall auf? Wie verhindern sie, dass Tatverdächtige einfach selbst die Tür öffnen, um zu türmen? Und mit welchem Transportgriff lassen sich Verdächtige am besten durch den engen Gang des Busses eskortieren?

Flüchtiger Dieb in Straßenbahn

Auch der Einsatz in der Straßenbahn steht noch auf dem Programm. Randalierende Fußballfans sind dort nicht das Problem. In dem Fahrzeug soll sich aber ein Dieb befinden. Den Polizeistudenten liegt nur eine vage Personenbeschreibung vor. Sie müssen selbst entscheiden, wie sie die fast 36 Meter lange Bahn sichern. »Reden Sie«, bekommen die jungen Leute immer wieder von ihren Ausbildern zu hören. Wenn Fahrgästen erklärt wird, dass eine Personenbeschreibung auf sie passt, seien sie häufig freiwillig dazu bereit, ihre Taschen für eine Kontrolle zu öffnen. Und auch aggressive Fußballfans lassen sich mit deeskalierenden Worten leichter bändigen.

Außerdem sitzt den angehenden Polizisten die Zeit im Nacken. »Die Fahrgäste wollen weiterfahren und sind nicht begeistert, wenn sie ein Taxi nehmen müssen«, erklärt ein Ausbilder.

 

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