Unbezahlbar: Einmal selbst Straßenbahn fahren

Unbezahlbar: Einmal selbst Straßenbahn fahren
27. Dezember 2017 Sonja Niemann

BSAG-Fahrlehrer André Griesmeyer war kurz vor Weihnachten mit einem etwas ungewöhnlichen »Fahrschüler« unterwegs: Mit 66 Jahren hat Wolfgang Behr sein Berufsleben nämlich schon hinter sich. »Aber schon als kleiner Junge fand ich Straßenbahnfahren interessant«, erzählte er. Damals hat er noch in der Neustadt gewohnt und ist mit seiner Schülerfahrkarte mit der Straßenbahn zur Schule gefahren. Selbst am Sollwertgeber hatte er aber bisher noch nie gesessen. Deshalb bewarb er sich bei der Aktion »Unbezahlbar« des Weser Reports, der in der Vorweihnachtszeit Gewinne verlost, die für Geld nicht zu kaufen sind – und gewann.

Auf dem Betriebsgelände des Bremer Verkehrsunternehmens in der Neustadt durfte er deshalb jetzt selbst auf dem Fahrersessel Platz nehmen und Strom geben. Mit großem Interesse ließ sich Wolfgang Behr von André Griesmeyer zunächst in der Fahrschul-Straßenbahn, einem Fahrzeug vom Typ GT4 aus den 1970er-Jahren, ganz genau alle Knöpfe und Hebel erklären. Dass für den gelernten Nachrichtentechniker das Thema Nahverkehr kein unbekanntes ist, war schnell zu merken. »Mein Sohn hat bei der BSAG eine Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb gemacht«, so Behr. Dementsprechend häufig sei der Berufsalltag des Straßenbahners Thema am heimischen Esstisch gewesen.

»Darf ich auch mal eine Notbremsung machen?«

Schließlich war es dann soweit: Wolfgang Behr durfte die Kurbel des Fahrschulwagens in die Hand nehmen und das Fahrzeug in Gang setzen. »Am wichtigsten sind die Weichen und dass die Zungen immer schön anliegen«, erklärte Fahrlehrer André Griesmeyer. Schon nach wenigen Metern bescheinigte er seinem Fahrschüler echtes Straßenbahntalent. Sanft beschleunigen und sanft bremsen – das reichte dem 66-Jährigen aber nicht. »Darf ich auch mal eine Notbremsung machen?« Durfte er – und zwar nicht nur im Fahrschulwagen, sondern auch in den Fahrzeugen vom Typ GT8 und GT8N1, die heute in Bremen im Linienverkehr unterwegs sind.

Rund um Runde drehte der Oberneuländer auf dem Betriebshof – mit sichtbarer Begeisterung. Ungewohnt war für ihn allerdings, in den moderneren Fahrzeugen so weit vor der ersten Achse zu sitzen. »Man merkt richtig, wie man in den Kurven über die Gleise schwenkt – ein bisschen wie in der Wilden Maus«, sagte der Oberneuländer lachend.

Foto aus der neuen Straßenbahn für Sohn in der Schweiz

Anschließend ging es für Behr noch in die Sonderfahrzeughalle der BSAG. Dort steht zurzeit das Design-Modell der neuen Bremer Straßenbahn, die ab 2019 auf den Gleisen unterwegs sein wird. Fahrbahr ist das Holz-Modell zwar nicht, aber trotzdem ließ es sich der 66-Jährige nicht nehmen, in der Fahrerkabine Platz zu nehmen und ein Foto von sich zu machen. »Für meinen Sohn«, erklärte er. Der ist nämlich vor einigen Jahren in die Schweiz gezogen.

Trotz allen Komforts in den neuen Fahrzeugen hat Wolfgang Behr am besten dann aber doch der schon gut 40 Jahre alte Fahrschul-Wagen gefallen. »Es ist schon enorm, wie die Fahrer früher die alten Bahnen gefahren sind und was für eine Anstrengung das war«, sagte er erstaunt. Griesmeyer zeigte ihm auch, wie der Hilfsfahrerstand am Ende des Fahrzeugs funktioniert, so dass sein »Fahrschüler« auch ein paar Meter rückwärts fahren konnte. Wolfgang Behr hat sein Tag als Straßenbahner jede Menge Spaß gemacht: »So kurz vor Weihnachten war das wirklich ein tolles Geschenk.«

 

 

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