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Von in Ökologisch unterwegs

Der Wiener Andreas W. Dick auf Rekordjagd im Straßenbahnnetz

Andreas W. Dick hat eine besondere Leidenschaft. Der Wiener Motorjournalist befährt U- und Straßenbahnnetze von Europas Metropolen – und das so schnell und vollständig, wie es geht. Insgesamt 17 Städte in vier Ländern hat er schon bereist, darunter auch Bremen. Doch dann bremste ihn die ­Covid-19-Pandemie aus.

Es ist Herbst 2016, ein Freitagmorgen, kurz vor halb zehn. Im Werder-Trikot im Design der Meister-Saison 1965 steht Andreas W. Dick vor dem Bremer Hauptbahnhof und wartet auf die Bahn der Linie 10. Mit ihr soll es in wenigen Minuten losgehen. Erstes Ziel ist Gröpelingen. Die Endhaltestelle der Linien 2, 3 und 10 steht ganz oben auf der Liste für den Rekordversuch direkt neben der Ziffer 1. Gefolgt von den ­Haltestellen Weserwehr und Am Brill – Haltestellen und Umsteigepunkte für den Rekord, ­allesamt sorgfältig auf dem Plan in seinen Händen vermerkt.

Einmal das komplette Bremer Straßenbahnnetz durchfahren, so lautet das Ziel des Österreichers für diesen Tag. Und das möglichst schnell. Am Ende stehen 8 Stunden und 14 Minuten auf der Uhr. Eine gute Zeit, auch wenn ein medizinischer Notfall eines älteren Fahrgastes die Fahrt kurz zum Stillstand bringt. Das Rekordprojekt sei sein Hobby, erklärt er. Dazu motiviert habe ihn sein Sohn. »Er hat im Guinnessbuch der Weltrekorde gelesen und mich gefragt: Papa, was ist eigentlich dein Rekord?« Eine Frage, auf die der Journalist zunächst keine Antwort hatte. Als dann aber das Wiener U-Bahn-Netz im Jahr 2008 für die Fußball-Europameisterschaft erweitert wurde, kam ihm die Idee.

Dabei ist die Wahl einer Stadt nicht zufällig. »Ich fahre nur dort, wo ich ­jemanden kenne, der mich dabei begleitet«, sagt der Wiener. In Bremen ist dies Stephan Keppler, Motorjournalist wie Dick. Das sei immer spannend, weil seine Begleitung persönliche Geschichten zur jeweiligen Stadt und zur Strecke erzählen könne. »So wachsen mir die Städte, in denen ich unterwegs bin, ans Herz.« Von Bremen habe er zuvor nur ein »minimales Halbwissen« gehabt, erinnert er sich: »Kurz gesagt: Werder, Tatort und Stadtmusikanten.« Heute verfolgt er den Fußball und die Krimis, in denen die Straßenbahn vorkommt, mit noch mehr Interesse für die Hansestadt. Geblieben ist auch die Erinnerung an die mediale Aufmerksamkeit. »Man hatte fast das Gefühl, US-Präsident Barack Obama sei zu Gast«, erinnert er sich an eine Aussage seines Begleiters und lacht. Als er sich am Tag nach der Fahrt eine Tageszeitung kaufte, steht er neben Angela Merkel und Bastian Schweinsteiger auf der Titelseite. »Da dachte ich mir: Was für eine glückliche Stadt muss Bremen sein, dass ein Wiener, der Straßenbahn fährt, solche Schlagzeilen macht.«

Ob er eine Straßenbahn-Lieblingsstadt hat? Die Frage kann Andreas W. Dick nur schwer beantworten. Viele Städte seien interessant, vor allem wenn es besondere Strecken, zum Beispiel über Land oder als Standseilbahn, gebe, sagt er. Grundsätzlich könne man jeder Stadt gratulieren, die in den 1950er-Jahren nicht ihre Straßenbahn abgeschafft habe. »Man liest und hört immer wieder, die Tram sei altmodisch. Aber meine Fahrten haben immer tadellos funktioniert.«

Derzeit liegt die Rekordjagd auf Eis. Die Covid-19-Pandemie und die damit verbundenen Reisebeschränkungen machten den anstehenden Projekten ­einen Strich durch die Rechnung. Wann es weitergehen kann, weiß Dick noch nicht. Die Ziele allerdings stehen bereits fest: »Für Dezember 2020 war eine Fahrt in Halle/Saale geplant. Die gilt es nachzuholen.« Salzburg mit seinen O-Bussen und Zagreb stehen ebenfalls oben auf der Liste. Und Bremen? »Da wir damals ein Stück an der Kulenkampffallee in Schwachhausen wegen einer Baustelle nicht befahren konnten, steht die komplette Befahrung noch aus.«

Rekord-Versuch! Der Österreicher Andreas Dick (47) fährt das gesamte Bremer Straßenbahnnetz ab.

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