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Vorbereitung auf den Ernstfall: Spezialkräfte der Bundes- und Landespolizei trainieren auf dem BSAG-Betriebshof

Von in BSAG Inside

Langsam, aber zielstrebig nähert sich der Roboter der Straßenbahn. Er überwindet die Stufe und fährt ins Innere. Dort greift er sich eine große braune Ledertasche und transportiert sie vorsichtig wie ein rohes Ei hinaus. Diese Umsicht ist unerlässlich. Denn in der Tasche wird Sprengstoff vermutet. Am »Steuer« des Roboters sitzt ein paar Meter entfernt ein Polizeibeamter vom Entschärfungsdienst in Bremen. Das Team um den Leiter Markus Müller* trainiert an diesem sonnigen Frühlingstag auf dem Betriebshof der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) in der Neustadt die Behandlung von möglicherweise explosiven Gegenständen. Es ist nicht das erste Mal, dass die Spezialeinheit ausrangierte BSAG-Fahrzeuge nutzt, um sich auf den Ernstfall vorzubereiten.

Für den Ernstfall: »Diese Kleinigkeiten müssen sitzen«

»Straßenbahnen und Busse gelten als Einrichtungen der kritischen Infrastruktur«, berichtet Müller. Daher sei es wichtig zu wissen, wie Busse und Bahnen funktionieren, um sicher in ihnen voranzukommen sowie so schnell wie möglich hinein- und wieder hinauszukommen. Wie gehen die Türen auf, wie kann der Rollstuhllift genutzt werden, um Technik zu transportieren? Das seien nur ein paar der lebenswichtigen Detailfragen. »Und diese Kleinigkeiten müssen sitzen«, betont der Teamleiter. Deswegen bereiten sich die Kollegen der Bremer Landes- sowie der Bundespolizei darauf praktisch vor.

Handhabung der Roboter ist übungsintensiv

Ernstfall Sprengstoffexperte bedient Roboter

Die Steuerung und der Umgang mit den technischen Geräten sind übungsintensiv. Daher nutzen die Spezialkräfte der Polizei die Gelegenheit zum Training.

Auf dem Betriebsgelände der BSAG steht dabei das technische Training im Fokus. So üben die Spezialkräfte an diesem Tag mit ihrer Technik. Mit Joysticks lenken sie die hochentwickelten Geräte aus sicherer Entfernung zu dem verdächtigen Gegenstand in der Bahn. »Die Handhabung des Hightech-Gefährts ist sehr übungsintensiv«, betont der Leiter des Teams. Das regelmäßige Training mit den unterschiedlichen technischen Geräten der Entschärfer sei unerlässlich.

Es läuft nicht wie im Film ab

»Im Ernstfall muss es schnell gehen«, so Markus Müller. Wie im Film läuft das Entschärfen aber keineswegs ab. »Es kommt keiner vorbei, geht zum Sprengsatz und entscheidet sich dann zwischen dem blauen und roten Draht«, so der Sprengstoffexperte. Vorrangig geht es darum, explosionsgefährliche Gegenstände so zu behandeln, dass es zu keiner Umsetzung kommt. Niemand soll verletzt werden – auch die Einsatzkräfte nicht. Zum Schutz der Entschärfer steht diesen ein circa 40 Kilogramm schwerer Bombenschutzanzug zur Verfügung. Ziel eines jeden Einsatzes sei ein minimalinvasives Vorgehen. Wird zum Beispiel ein verdächtiger Gegenstand in einer Straßenbahn gefunden, der vermeintlich niemandem gehört, werden die Menschen in der Bahn zuerst evakuiert. »Danach beginnen wir mit den eigentlichen Maßnahmen – von der Untersuchung des Objekts bis zur möglicherweise notwendigen Entschärfung«, so Müller.

BSAG-Betriebshof als Schauplatz für Teams aus ganz Deutschland?

Einsatzfahrzeug der Polizei für den Ernstfall

Spezialkräfte der Polizei trainieren auf dem BSAG-Gelände für den Gefahrenfall.

Um für den Ernstfall in Bus und Bahn bestens vorbereitet zu sein, sei gerade das regelmäßige Training wichtig – und daher freuen wir uns, die BSAG an unserer Seite zu wissen. »Wir sind äußerst dankbar, dass wir hier in Ruhe auf dem Betriebshof üben und Szenarien durchspielen können«, betont der Gruppenleiter. Dabei gebe es einen guten Austausch. »Wird eine Bahn ausrangiert, gibt die BSAG Bescheid und wir nutzen sie bei Bedarf zum Training«, berichtet Markus Müller. Er verrät abschließend: »Das funktioniert so gut, dass wir gerade in der Absprache stecken, ob wir auf dem BSAG-Betriebshof auch mit anderen Teams aus ganz Deutschland trainieren können.«

*Name von der Redaktion geändert

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