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Wie Busse und Bahnen dank Smartphones pünktlicher werden könnten

Von in BSAG Inside

Jeden Morgen die gleiche Zwei-Minuten-Verspätung an der gleichen Haltestelle. Als regelmäßiger Fahrgast kann man sich dann schon einmal kopfschüttelnd die Frage stellen: »Merken die bei der BSAG eigentlich gar nichts?« Die Antwort ist wenig überraschend: Doch, natürlich bemerken wir das. Und zwar jede einzelne Verspätung. Schließlich erfassen die Fahrzeuge alle Fahrzeiten, die sie im Laufe eines Tages zurücklegen. Deshalb wissen auch wir, dass es Zeiten – zum Beispiel während des Berufsverkehrs – gibt, in denen der Bus zwischen zwei Haltestellen immer länger braucht als der Fahrplan vorsieht.

Die einfachste Lösung: Einfach den Fahrplan an die echten Fahrzeiten anpassen. Das klingt logisch, also schauen wir uns einfach mal an, wie Fahrpläne überhaupt zustande kommen. Grundlage dafür ist natürlich die Zeit, die Busse und Bahnen brauchen, um eine Linie vom Start bis zur Endhaltestelle zu befahren. Das dauert mal mehr und mal weniger lange – abhängig zum Beispiel davon, wie viele Fahrgäste ein- und aussteigen, ob die Fahrgäste zügig die Türen freigeben, wie viele Autos auf den Straßen unterwegs sind und ob es unterwegs irgendwelche Störungen gibt. Der Bus oder die Bahn braucht also für die gleiche Strecke unterschiedlich viel Zeit.

BSAG Stau auf der B75

Wenn es sich in der Stadt oder auf den Zubringer staut, kann das auch Bussen und Bahnen Probleme bereiten. Sie können dann nicht den Fahrplan einhalten.

Mittelwert gibt die Fahrzeit vor

Einige dieser Faktoren, wie etwa das Fahrgastaufkommen und die generelle Verkehrsbelastung, können wir mit entsprechenden Simulationen vorhersehen. Andere Ereignisse wie Unfälle oder Demonstrationen lassen sich überhaupt nicht vorhersehen. Exakt lässt sich eine Fahrzeit also selten voraussagen. Deshalb ist es sinnvoll, mit Durchschnittswerten zu arbeiten. Genauso machen wir es bei der BSAG auch seit vielen Jahren. Wir legen alle Fahrzeiten einer Linie nebeneinander und ermitteln dann den Median, also den Wert, der genau in der Mitte liegt. Abhängig von der so ermittelten Zeit werden dann die Fahrpläne erstellt. Das Ergebnis: In vielen Fällen passt diese Planzeit, in einigen aber nicht. Und das sorgt für Ärger bei Fahrgästen und Stress bei unseren Kolleginnen und Kollegen im Fahrdienst.

Ab Ende März starten wir auf den Linien 6, 24 und 37 deshalb jetzt einen Modellversuch. Er soll zeigen, ob es nicht doch möglich ist, die jeweiligen Fahrzeiten individueller zu planen.Bisher arbeiten wir bei der BSAG mit drei sogenannten Fahrzeitgruppen. Die größte und wichtigste geht von 6 Uhr morgens bis 20.30 Uhr. Das heißt: Der Mittelwert aller Fahrten in diesem Zeitraum gilt zugleich als Planzeit für alle Fahrten. Und das ist auch der Grund, warum es auf bestimmten Linien manchmal zu den immer gleichen Verspätungen kommt. Die tatsächliche Fahrzeit weicht zu stark vom Mittelwert ab.

Realität und Fahrplan sollen sich auf Modell-Linien annähern

Auf den drei Modell-Linien sollen die Fahrzeiten ab Ende März auf deutlich kleinteiligeren Fahrzeitgruppen basieren. So bekommt unter anderem der Berufsverkehr zwischen 6 und 9 Uhr seinen eigenen Mittelwert. Im Fahrplan kann dann berücksichtigt werden, dass zum Beispiel die Linie 24 in diesem Zeitraum mehr Zeit für die Durchquerung des Innenstadtbereichs braucht als zwischen 9 und 12.30 Uhr – der anschließenden Fahrzeitgruppe.

Warum macht die BSAG das aber nicht längst schon – und was hat das ganze Thema mit Smartphones zu tun? Ganz einfach: In den vergangenen Jahren und Jahrzehnten war es für Fahrpläne immer wichtig, dass sie für ÖPNV-Nutzerinnen und -Nutzer gut merkbar waren. Das heißt: Fahrgäste an der Emma Straße sollten etwa wissen, dass bei ihnen die Linie 6 um 11.05 Uhr und dann immer im Zehn-Minuten-Takt fährt. Ein regelmäßiger Takt galt deshalb als besonders wichtig. Und nebenbei bedeutet die genauere Planung der Fahrzeiten einen immensen internen Aufwand bei der BSAG, weil von der Fahrzeitauswertung bis zum gedruckten Fahrplan alles deutlich komplexer wird.

BSAG-Haltestellenfahrplan Sebaldsbrück Linie 37, gültig 2018/2019

Der alte Fahrplan der Linie 37 (oben) hielt sich bisher am Nachmittag strikt an feste Taktzeiten. Fahrgäste wussten: Der Bus fährt immer um :07, :22, :37 und :52. Allerdings gibt es nach dem Schichtwechsel bei Mercedes auf der Osterholzer Heerstraße regelmäßig Stau. Daran wurden die Abfahrtszeiten (siehe unten) jetzt angepasst. Die Folge: Die Abfahrtszeiten sind etwas unübersichtlicher, der Bus aber voraussichtlich pünktlicher.

BSAG-Haltestellenfahrplan Sebaldsbrück Linie 37, gültig 2019/2020

Smartphones machen merkbare Abfahrtszeiten entbehrlich

Das hat sich inzwischen verändert. An vielen Haltestellen informieren elektronische Anzeiger über die nächsten Abfahrten. Unsere dicken Fahrplanbücher mit über 260 Seiten werden immer seltener gekauft. Und ganz ehrlich: Gerade in den innenstadtnahen Bereichen kann man tagsüber meist auch einfach zur Haltestelle gehen, weil die nächste Bahn oder der nächste Bus immer in wenigen Minuten kommt. Aber insbesondere Smartphones haben den Umgang mit Fahrplänen verändert. Statt an der Haltestelle auf dem Aushangfahrplan informieren sich viele über Fahrplaner-App und BSAG-Website über die Abfahrtszeiten und Verbindungen. Das legt den Schluss nahe: Der leicht merkbare Takt hat an Bedeutung verloren. Wichtiger ist, dass die Fahrzeuge pünktlich sind – auch, um zum Beispiel Anschlüsse zu erreichen.

 

 

Wir sind gespannt, wie Fahrgäste und unsere Fahrdienst-Kolleginnen und -Kollegen auf die individuelleren Fahrpläne reagieren, die ab 30. März gelten. Gelingt es wirklich, dass die Fahrzeuge pünktlicher sind? Stören sich unsere Kundinnen und Kunden wirklich nicht am etwas krummeren Takt? Oder fällt ihnen am Ende vielleicht sogar gar nichts auf? Wenn der Test positiv verläuft, könnten diese genaueren Fahrzeiten bald auch auf das gesamte Liniennetz ausgeweitet werden. Wir freuen uns auf Feedback – zum Beispiel als Kommentar auf dieser Seite.

 

 

2 Kommentare

  1. Avatar
    Steffen 3 Monaten vor

    Ich finde es besser wenn die Anzeiger an den Haltestellen funktionieren.
    Einige sind schon seit Monaten defekt oder zeigen den Text „Dieser Anzeiger ist ausser Betrieb“.
    Die App zu benutzen, um sich über die Pünktlichkeit zu informieren ist viel umständlicher und dauert länger als ein kurzer Blick auf den Anzeiger.

    • Avatar Autor
      Sonja Niemann 3 Monaten vor

      Hallo Steffen,
      stimmt: Ideal ist, wenn beides funktioniert. An der Haltestelle ist der Blick auf die Abfahrtsanzeiger ein bisschen schneller als aufs Smartphone – dafür gibt das Smartphone schon Auskunft, bevor man überhaupt an der Haltestelle steht und weiß auch, welche Anschlüsse am besten passen. Ich persönlich nutze gern beide Informationsquellen. Übrigens: Schreiben Sie gern an die E-Mail-Adresse kritik@bsag.de, um auf defekte Abfahrtsanzeiger hinzuweisen.

      Viele Grüße und gute Fahrt!
      Sonja Niemann

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