Historische Straßenbahn in neuem Glanz

Historische Straßenbahn in neuem Glanz
27. April 2017 Andreas Holling

Rechtzeitig zum 125. Geburtstag des elektrischen Linienbetriebes der Bremer Straßenbahn AG (BSAG) erstrahlt Bremens ältester Straßenbahnwagen „Molly“ wieder im neuen Glanz. Die Fachleute und die Auszubildenden der BSAG sowie die ehrenamtlichen Aktiven des Vereins Freunde der Bremer Straßenbahn (FdBS) haben während der vergangenen Monate nicht nur die vorgeschriebene technische Hauptuntersuchung – den „TÜV einer Straßenbahn“ – durchgeführt. Sie haben auch dem historischen Wagen mit der Nummer 49 auch die ursprüngliche Farbgebung zurückgegeben.

Hierfür war viel Detektivarbeit erforderlich. Denn Farbfotos gab es im Jahr 1900 natürlich noch nicht. Die Farben waren bei der ersten Restaurierung im Jahr 1962 nach Erinnerungen von Zeitzeugen hergestellt worden. Doch waren es die richtigen Töne? Diese Frage lässt sich mit Hilfe eines Fundes im Kleingartengebiet Walle beantworten: 2007 wurde dort der Wagenkasten eines Pferdebahnwagens mit dem Baujahr 1888 entdeckt, bei dem auch verschiedene Plattformbleche mit Farbfragmenten gefunden wurden. Es zeigte sich, dass die bisherigen Grüntöne der „49“ nicht dem Original entsprachen und zu hell ausgefallen waren. Die Farben wurden anhand von Proben genau bestimmt und anschließend gemischt. Ihr neues Farbkleid erhielt „Molly“ von den Auszubildenden der BSAG im Rahmen eines Projekts.

Bremens älteste Straßenbahn

Der Triebwagen mit der Nummer 49 ist ein 1900 gebautes Fahrzeug aus einer Serie von 147 Fahrzeugen, die die Bremer Straßenbahn AG zwischen 1900 und 1907 in eigener Herstellung herstellte. Der Bau erfolgte in der von der Großen Bremer Pferdebahn übernommenen Werkstatt Walle, später auch in der Hansastraße. Die Holzsitzbänke waren in Längsrichtung angeordnet, so dass auf jeder Wagenseite zwölf Fahrgäste Platz fanden. Eine Heizung gab es bis zum Anfang der zwanziger Jahre nicht. 1921 wurden die bis dahin offenen Plattformen durch Schiebetüren und Fenster verschlossen, so dass das Fahrpersonal auf dem Wagen nicht mehr Wind und Wetter ausgesetzt war. Um den Fahrgästen im Winter die Fahrt angenehmer zu gestalten, wurde eine Heizung installiert, die den beim Bremsen entstehenden Strom in Wärme zur Beheizung des Innenraumes umwandelte.

Während bei fast allen Wagen im Laufe der Jahre die Wagenkästen teilweise oder sogar vollständig modernisiert wurden, gehörte Triebwagen 49 zu den 25 Triebwagen, die bis zur ihrer Außerdienststellung zwischen 1948 und 1962 in der nicht modernisierten Ausführung verblieben. Von 1954 bis 1956 fuhr Triebwagen 49 als Reklamewagen durch Bremen und wurde dann bis 1962 abgestellt.

Ursprünglich als Ausstellungsstück für den Neubau des Focke-Museums vorgesehen, wurde die „49“ im Jahr 1962 in seinen Ursprungszustand zurückgebaut und fortan als „Molly“ bezeichnet. Im Jahr 1992 wurde der Wagen 49 dann von der Hauptwerkstatt der BSAG wieder gründlich aufgearbeitet. Heute kann sich die alte, aber immer noch sehr rüstige Straßenbahndame aus eigener Kraft (aber ohne Fahrgäste) fortbewegen. Sie ist der Star bei vielen Veranstaltungen der BSAG und des Vereins.

Das Foto oben zeigt Gerd Borcherding (links) und Wolfgang Lukaschewsky (beide FdBS) gemeinsam mit Carina Wendel (zweite von links) und Ann-Kathrin Heineke, Auszubildende der BSAG. Fotos: Martin Rospek

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