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Generation Z: Klimabewusst, aber nicht um jeden Preis

Von in Innovation

Welche Ansprüche junge Erwachsene an die Mobilität der Zukunft haben

Mobilität ist ständig im Wandel. In welche Richtung es dabei geht, hängt in erster Linie von den Nutzerinnen und Nutzern ab. Besonders spannend ist dabei der Blick auf junge Menschen. Sie werden schließlich mit ihrem Verhalten die Mobilität der Zukunft prägen.

58 Prozent der 18- bis 23-Jährigen ist ein ökologisch-nachhaltiger, sozial verantwortungsvoller Lebens- und Konsumstil wichtig. Zu diesem Ergebnis kommt die »Mobility-Zeitgeist-Studie« aus dem vergangenen Jahr, die der Autohersteller Ford in Auftrag gegeben hat. Dass eine Generation, die ihrem Bedürfnis nach Klimaschutz mit der weltweiten Fridays-for-Future-Bewegung Ausdruck verliehen hat, Wert auf Nachhaltigkeit legt, überrascht wenig. Aber was bedeutet das für ihr Mobilitätsverhalten?
Der öffentliche Personennahverkehr spielt bei jungen Menschen eine große Rolle. Für 47 Prozent der in der Studie Befragten ist er das Hauptverkehrsmittel. Als Ford eine vergleichbare Studie zum letzten Mal vor sechs Jahren durchführte, sah das noch ganz anders aus. Gerade mal 16 Prozent gaben 2015 an, in erster Linie mit Bus und Bahn zu fahren. Allerdings war die befragte Altersgruppe damals auch etwas größer und umfasste auch die 24- bis 34-Jährigen.

Der Anteil derjenigen, die in erster Linie Auto fahren, ist allerdings in beiden Studien gleich und liegt bei 44 Prozent. Trotzdem wird das Auto seltener genutzt. Nur noch jede/r Fünfte hat angegeben, täglich mit dem Auto zu fahren. In der früheren Studie traf das noch auf jede/n Dritten zu. Auch der Anteil derjenigen, die ein eigenes Auto besitzen, ist deutlich zurückgegangen, statt 65 Prozent vor sechs Jahren sind es jetzt nur noch 42 Prozent.

Die Generation Z ist trotz Umweltbewusstseins aber keine Gruppe von Idealisten. Das zeigt eine Umfrage der französischen Mobilitätsinitiative Movin’ On. In ihrem Auftrag hat das Marktforschungsunternehmen Kantar 5.000 junge Menschen in Europa und Nordamerika befragt. Ein Ergebnis: Wichtiger als Nachhaltigkeit ist den Befragten, dass sie bequem von A nach B kommen – und dass die Kosten dafür ins Budget passen.

Auch diese Studie kommt zum Ergebnis, dass keine Generation den ÖPNV mehr nutzt als die 18- bis 34-Jährigen. Das klingt erst einmal nach guten Nachrichten für Verkehrsunternehmen. Zurücklehnen dürfen sie sich aber nicht: Wirklich zufrieden sind die jungen Menschen aus der Befragung mit dem Angebot nämlich nicht – weder in Europa noch in Nordamerika. Laut Studie fordern sie »drastische Verbesserungen« beim Service und meinen damit unter anderem mehr Komfort und die bessere Verknüpfung mit anderen Verkehrsmitteln.

Anspruchsvoller zu sein können sich die Mitglieder der Generation Z vor allen Dingen aus einem Grund leisten: Sie sind die Ersten, für die Multimodalität tatsächlich gelebter Alltag ist. Das heißt: Sie haben die technischen Möglichkeiten und das Verständnis, blitzschnell zwischen den verschiedenen Verkehrsmitteln zu wechseln. Apps zum Beispiel für Carsharing, E-Roller und den ÖPNV sind bei 65 Prozent der Menschen unter 40 Jahren auf dem Smartphone installiert. Bei älteren Generationen trifft das gerade mal auf 25 Prozent zu.

Das heißt also: Jüngere Menschen setzen Mobilität nicht automatisch mit dem Auto gleich, lehnen es aber auch nicht kategorisch ab. Sie wählen meistens das Verkehrsmittel, das ihnen im jeweiligen Moment am praktischsten erscheint. Bei dieser Entscheidung hat der ÖPNV grundsätzlich gute Chancen. Laut der Mobility-Zeitgeist-Studie von Ford ist er der Hauptgrund dafür, dass Angehörige der Generation Z kein Auto benutzen.

Gerade bei jungen Leuten hat die Corona-Krise aber zu einem grundlegenden Umdenken beim Thema Mobilität geführt. Den größten Einfluss auf Entwicklungen im Mobilitätssektor hat ihrer Meinung nach nicht etwa technischer Fortschritt oder ein größeres Bedürfnis nach umweltfreundlicher Fortbewegung. Sie glauben, die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten, wird die Branche am massivsten beeinflussen. Laut Movin’ On würden junge Menschen gern auch in Zukunft auf tägliche Pendelwege zur ­Arbeit verzichten. Und wenn sie dafür nicht aus dem Haus müssen, sinkt auch die generelle Notwendigkeit, mobil zu sein. Der komplette Alltag sollte sich ihrer Idealvorstellung nach in einem 15-Minuten-Radius um ihren Wohnort abspielen. Ein Fahrrad und die eigenen Füße wären dann für die aller meisten Wege ausreichend.

Längst nicht alle Menschen leben aber in der Stadt, wo ein solches Szenario umsetzbar ist. Das ist jungen Menschen durchaus bewusst, schließlich ziehen sie selbst oft erst nach dem Schulabschluss in eine urbanere Umgebung. Der größte Mobilitätswunsch der Generation lautet deshalb: bessere Angebote im ländlichen Raum. Laut Ford-Studie wünschen sich das 70 Prozent der Befragten.

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