Geschichte

Fünf Jahre Linie 4: Eine spannende Geschichte mit Happy End

Von in Geschichte

Viele neue Bewohnerinnen und Bewohner sind in den vergangenen Jahren nach Lilienthal gezogen. Sie kennen die niedersächsische Nachbargemeinde gar nicht ohne Straßenbahn. Dabei gab es auf dem Weg von der ersten Idee für eine Streckenverlängerung nach Falkenberg bis zur ersten Fahrt einer Straßenbahn über Bremens Ländergrenze hinaus zahlreiche Hindernisse zu überwinden.

Straßenbahn-Verbindung war schon 1989 ein Thema

Bereits 1989 legte die Stadt Bremen ihr »ÖPNV-Konzept ‘89« auf und erregte mit dem Plan, die Straßenbahnlinie 4 über Horn bis an die Landesgrenze in Borgfeld zu verlängern, auch bei ihren Nachbarn in Lilienthal Aufmerksamkeit. Damals verband noch die Buslinie 30 die Gemeinde mit dem Bremer Zentrum, aber die Idee einer schnellen Schienenverbindung erschien den damals Verantwortlichen in Lilienthal attraktiv.

1992 fassten sie deshalb den Beschluss, dass die Linie 4 bis nach Falkenberg verlängert werden sollte und erteilte zwei Jahre später einen entsprechenden Auftrag an die Bremer Straßenbahn AG (BSAG). Als aber die – für ein so großes Projekt – langwierigen Vorplanungen 2001 endlich abgeschlossen waren, stand die Idee nur ein Jahr später plötzlich vor dem Aus. Die politischen Mehrheitsverhältnisse hatten sich inzwischen verändert – und die Straßenbahn zumindest bei der Ratsmehrheit ihre Unterstützerinnen und Unterstützer verloren.

Bürgerinitiative hat die Verlängerung vorangetrieben

Innerhalb der Bevölkerung sah die Situation aber anders aus. Mitte 2002 formierte sich eine Bürgerinitiative, die sich dafür einsetzte, das Planfeststellungsverfahren für die Straßenbahnverlängerung fortzusetzen. Zahlreiche Informationsveranstaltungen der BSAG für Bürgerinnen und Bürger folgten. Die Lilienthalerinnen und Lilienthaler sollten erfahren, welche Auswirkungen der Anschluss an das Netz er Bremer Straßenbahn für sie haben würde. Schließlich initiierten die Gegnerinnen und Gegner der Straßenbahn eine Bürgerbefragung zum Thema. Das für sie überraschende Ergebnis: Die Mehrheit sprach sich für eine Verlängerung nach Lilienthal aus.

Dann ging alles ganz schnell. Der Gemeinderat beschloss, das Planfeststellungsverfahren nun doch fortführen zu wollen, das Land Niedersachsen kündigte sei-nen Beitrag zur Finanzierung an und schließlich lag 2005 eine überarbeitete Planung vor. Doch selbst als der Planfeststellungsbeschluss 2008 gefasst war, kam es zu Verzögerungen. Klagen sorgten dafür, dass erst im Mai 2011 der Bau wirklich beginnen konnte.

Eröffnung des neuen Teilstücks am 1. August 2014

Ein weiterer Dämpfer stand dem Projekt da aber erst noch bevor. 2013 bestätigte sich: Das beauftragte Bauunternehmen war pleite und die Arbeiten gerieten ins Stocken. Die Gemeinde Lilienthal, die Stadt Bremen, die BSAG und die Projektgestaltungs-Firma CTS erstellten im Rekordtempo eine neue Ausschreibung – mit Erfolg. Am 1. August 2014 konnte die Eröffnung des neuen Streckenabschnitts zwischen Borgfeld und Falkenberg gefeiert werden.

Die Zahl der Fahrgäste steigt seitdem stetig. BSAG-Vorstandssprecher Hajo Müller sieht den Grund dafür auch in der attraktiven Anbindung an Bremen. »Das hat viele Menschen auf die Gemeinde aufmerksam gemacht, darunter viele Familien«, sagt er. »Insbesondere der innerörtliche Verkehr mit der Straßenbahn hat den Abstand zwischen Lilienthal-Mitte und Falkenberg gefühlt schrumpfen lassen.« Mit Bremens einziger Straßenbahnlinie auf niedersächsischem Grunde sei die Gemeinde sehr gut auf die Zukunft eingestellt. »Wir freuen uns, Teil dieser Erfolgsgeschichte sein zu dürfen.«

»Durch die Verlängerung der Linie 4 ist unsere Gemeinde sowohl als Wohnstand-ort als auch als Wirtschaftsstandort attraktiver geworden«, meint der Bürgermeister der Gemeinde Lilienthal Kristian W. Tangermann. Dabei sei auch nicht zu vernachlässigen, welchen wichtigen Beitrag die Linie 4 für die Lösung der Verkehrs-probleme in Bremen leiste. Tangermann: »Wir können die Herausforderungen in der Stadtregion Bremen nur gemeinsam bewältigen. Deshalb setze ich auf eine vertrauensvolle und verlässliche Zusammenarbeit.«.

Am 15. September wird auf dem Herbstfest gefeiert

Wie ließe sich der Jahrestag der Eröffnung der neuen Straßenbahnlinie nach Lili-enthal besser feiern, als mit den Menschen in der niedersächsischen Gemeinde? Aus diesem Grund ist die BSAG am Sonntag, 15. September, auf dem Herbstfest und dem verkaufsoffenen Sonntag zu Gast. Unter dem Motto »Wir-und-die- Linie-4-Fest« können die Straßenbahnen der BSAG und die Regionalbusse 630 und 670 an diesem Tag von 10 bis 19 Uhr zwischen den Haltestellen Borgfeld und Lilient-hal ohne Ticket genutzt werden. Zudem werden Fahrten mit einer historischen Straßenbahn angeboten.

Das Foto oben zeigt: BSAG-Vorstandssprecher Hajo Müller, André Fesser (Redaktionsleiter Wümme-Zeitung), Geschäftsfrau Anke Haar, Lilienthals Bürgermeister Kristian W. Tangermann, Sven Behrens vom Wirtschaftsinteressenring (WIR) Lilienthal sowie die Geschäftsleute Carsten Meyer und Torsten Rohlfs (von links).

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