Geschichte

Zieltext – Von Kreisen, Kurbeln und Codes

Von in Geschichte

Früher hieß es kurbeln, kurbeln und noch einmal kurbeln. Jetzt wird einfach ein Zahlencode eingetippt. Das Ergebnis ist damals wie heute das Gleiche: Vorn und an der Seite von Straßenbahnen und auch Bussen ist zu erkennen, um welche Linie es sich handelt und in welche Richtung sie fährt. In der Fachsprache heißt dies Zieltext. Die passende Zieltexteingabe vor Fahrtantritt ist dabei ein unerlässliches Element für die Orientierung der Fahrgäste. Wie sich diese Technik im Laufe der Jahrzehnte entwickelt hat, zeigt ein kleiner Exkurs in die Historie der BSAG.

Zieltexte – farbenfroh und künstlerisch auf Holz

In den vergangenen rund 145 Jahren konnten sich die Fahrgäste der BSAG immer darauf verlassen, dass sie direkt vorn sowie an der Seite der Fahrzeuge sehen konnten, welche Bahn da gerade kommt. Anfangs kamen Holzschilder für den Zieltext zum Einsatz. Die Große Bremen Pferdebahn, die später von der Bremer Straßenbahn, der ehemaligen Bremer Pferdebahn, übernommen wurde, setzte zum Beispiel zu ihrem Start im Jahr 1879 auf farbige runde Linientafeln auf der Dachmitte. Diese kennzeichneten die jeweilige Linie und ergänzten mit den beschrifteten Holzschildern die Richtungsangabe. Etwas »aus der Reihe tanzte« die Linie zwischen Börse und Horn. Hier zierte statt des runden Linienschildes ein gelbes Blechschild in Form eines Horns die Vorderfront der Bahn. Ab 1908 gab es dann Liniennummern. Die Farbscheiben und das Horn behielt man bis 1945 bei. In den 1930er-Jahren wurden bei neu gelieferten Wagen die ersten Rollfilme eingeführt – und damit begann das Kurbeln.

Wer hat an der Anzeige gedreht?

Zieltext Rollfilm

Die ist der letzte Rollfilm, der vor der Digitalisierung der Zieltexte genutzt wurde.

Die ersten bedruckten Rollfilme wurden 1936 eingeführt. Diese bestanden aus beschichtetem Leinen. Sie blieben viele Jahre das technische Mittel, um die Zieltexte anzuzeigen. Bevor die Fahrt losging, bei den Rücktouren sowie bei Linienwechseln oder Sonderfahrten öffneten die Fahrerinnen und Fahrer eine kleine Klappe in der Fahrerkabine und spulten solange den Rollfilm mit einer Handkurbel vor, bis die richtige Linie angezeigt wurde. Dies nahm natürlich während eines Fahrdienstes immer auch eine gewisse Zeit in Anspruch.

In den Jahren, als noch Schaffnerinnen und Schaffner auf den Linien mitfuhren, übernahmen sie die Einstellung des Zieltextes an den Seiten der jeweiligen Straßenbahn. Später funktionierten die Rollbandanzeigen aber auch mit einem Elektroantrieb, was die Arbeit wieder erleichterte. Und dann setzte die Digitalisierung ein …

Der moderne Zieltext – einfach über Codes eingespielt

In den modernen Bussen und Bahnen ist nichts mehr von der alten Technik für die Zieltexte zu sehen. Elektronische Matrixanzeigen bestimmen nun das Bild. Aktuell funktioniert das zum Beispiel in den neuen Nordlicht-Bahnen wie folgt: Die Fahrer:innen drucken sich zum Dienstantritt den Plan mit den Codes für die Strecken aus, die sie in ihrer Schicht fahren. Und diese Codes werden dann vor jeder Tour eingegeben – so erscheint dann auf der Anzeige, welche Linie es ist und in welche Richtung es geht.

0 Kommentare

Antwort hinterlassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

*

neun + siebzehn =