Urbane Mobilität

Baustelle Waller Heerstraße: knack und weg

Von in Urbane Mobilität

Die Gleise an der Waller Heerstraße auf Höhe des Walle-Centers biegen sich einen guten halben Meter in die Höhe. Beharrlich zerrt ein gelber Baustellen-Bagger an ihnen. Während die Pflastersteine, die gerade noch zwischen den Schienen verlegt waren, fast wie Kuchenkrümel herunter rieseln, will sich der Stahl nicht widerstandslos vom Untergrund lösen.

Der schwere Bagger muss seine ganze Kraft aufwenden, immer wieder hebt eines seiner Räder im Kampf mit den Gleisen wenige Zentimeter vom Boden ab. Für einen kurzen Moment erinnern die angehobenen Schienen fast an eine Achterbahn auf dem Freimarkt. Dann krachen sie auf den Boden und der Bagger setzt erneut an. Meter für Meter für Meter geht das so. Bis er den Kampf schließlich gewonnen hat: Auf rund 50 Metern liegen die alten Gleise nun frei.

Baustelle auf fast einem Kilometer Länge

Auf rund 1000 Metern zwischen Waller Bahnhof und Utbremer Straße erneuert die Bremer Straßenbahn AG (BSAG) gerade ihre Trasse. Fast 2000 Meter Gleise müssen erneuert werden. Die Vorarbeiten laufen bereits seit Mitte Juni. Am ersten Tag der Sommerferien gab es mit dem Rückbau der Strecke aber zum ersten Mal richtig was zu sehen.

Kaum hat der Bagger den Machtkampf gewonnen, macht sich der Schienenknacker bereit. Er bewegt sich langsam auf Panzerketten fort. Im Fünf-Meter-Abstand sind die Stahlstreben markiert. Dort setzt jetzt der Schienenknacker mit seinem kräftigen Schnabel an. 20 bis 30 Tonnen wirken in ihm auf den Stahl ein. Mit einem lauten Knirschen knackt sich das Gerät durch die Schiene, bis sie schließlich durchtrennt ist. Der nächste Bagger rollt bereits an, schichtet die Schienenstücke zu Haufen, von wo aus sie auf Kipplaster verladen werden.

Schienenknacker beschleunigt den Rückbau

»Rund 300 LKW-Ladungen müssen in den nächsten Tagen abtransportiert werden«, erklärt Heiko Schulze von der BSAG, der für die Großbaustelle verantwortlich ist. Dass die alten Schienen so schnell von einer Baustelle verschwinden, ist auch für ihn neu. Denn der Schienenknacker kommt zum ersten Mal bei der BSAG zum Einsatz. In der Vergangenheit mussten die Gleise umständlich mit einem sogenannten Brenngeschirr in containertaugliche Stücke zerkleinert werden.

Den zeitlichen Vorsprung können die Arbeiterinnen und Arbeiter aber gut gebrauchen. Noch innerhalb der Sommerferien soll der Großteil der Gleiserneuerung abgeschlossen werden, damit die Straßenbahnen ab 19. August wieder fahren können. In dieser Zeit werden auch die Haltestellen Bahnhof Walle und Gustavstraße völlig erneuert.

Walle wird fit für neue Straßenbahnen

Für das Bremer Straßenbahnnetz ist die Gleiserneuerung ein bedeutender Meilenstein. Die Schienen werden schließlich nicht nur erneuert, sondern bei dieser Gelegenheit auch etwas auseinander gelegt. Neben einer Passage an der Gröpelinger Heerstraße, die im kommenden Jahr erneuert wird, war dieses Teilstück das letzte zwischen Hauptbahnhof und Gröpelingen, auf dem die Schienen für den Begegnungsverkehr der neuen und breiteren Straßenbahnen zu eng aneinander lagen. Die Arbeiten im Bremer Westen sind Teil umfangreicher Modernisierungen im BSAG-Netz. Hierzu gehört auch der Neubau des Depots in Gröpelingen.

Alle Informationen zur Baustelle und zum Schienenersatzverkehr gibt es auf der Internetseite der BSAG.

3 Kommentare

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    Thorsten 4 Monaten vor

    Finde es sehr gut das die BSAG so einiges macht

  2. Avatar
    Christian Reimann 4 Monaten vor

    Tolle Bilder. Wichtige Baustelle. Leider aber VÖLLIG unzureichende Ausschilderung. Kommt man von der A27 gibt es ein kleines Schildchen, kurz vor dem Utbremer Kreisel, das auf Bauarbeiten im Kreuzungsbereich ab 4.7. hinweist. Kein Hinweis, dass man anfangs die Kreuzung Richtung Waller Ring noch passieren konnte und irgendwann eben nicht mehr. Keine Hinweise, wenn man erst mal auf dem Osterfeuerberger Ring steckt, wie man weiter kommt. Verwirrte Ortsfremde (oder Ortskundige, die aber die aktuelle Lage nicht kennen) heizen durch alle umgebenden Wohnstrassen, wenden an aberwitzigen Stellen und hängen kurz darauf in der nächsten nicht gekennzeichneten Sackgasse. Der Kreuzungsbereich Waller Ring / Vegesacker Strasse wird laufend von LKWs blockiert, die hier erst erkennen, dass es nicht weiter geht und irgendwie versuchen, Ihr Gefährt zu wenden.
    Ich bin viel im Auto unterwegs, doch eine derart miserable Umleitungsführung habe ich bisher noch nicht gesehen. Bitter tut was dran – die Baustelle läuft ja noch einige Zeit!!!!

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      Andreas Holling 4 Monaten vor

      Hallo!

      Vielen Dank für die Rückmeldung zur Ausschilderung. Grundsätzlich ist die Ausschilderung mit der zuständigen Behörde abgestimmt und auch genehmigt. Es wurden etwas mehr als zwei Dutzend Schilder im Umfeld der Baustelle aufgestellt. Allerdings scheinen grad aus Richtung der A27 nicht alle der Umleitungsempfehlung zu folgen. Wir haben das Thema mitgenommen und werden schauen, wie und wo man nachbessern kann.

      Viele Grüße

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