Urbane Mobilität

BSAG-Tour in Osterholz: Wunsch nach noch mehr Straßenbahn

Von in Urbane Mobilität

Auf dem Marktplatz am Schweizer Eck ist es ganz schön windig. Und auch gegenüber, auf der anderen Seite der Umsteigeanlage, wo wir unser Infomobil aufgebaut haben, weht es. Unsere Zeichnerin Johanna Benz muss ihre Staffelei beschweren, damit sie nicht weggeweht wird.

Denn natürlich soll auch bei der BSAG-Tour in Osterholz ein individuelles Stadtteil-Bild entstehen, das zeigt, wo der Schuh drückt – und welche Wünsche die Menschen vor Ort für die Mobilität der Zukunft haben. Wir auch in der benachbarten Vahr stehen wir direkt neben einer Carsharing-Station mit Elektroautos. Uns wird klar: Auch in Osterholz macht man sich Gedanken über die Art der Fortbewegung.

Ein Leben ohne Auto

Am Blumenstand auf dem Markt treffen wir eine ältere Frau, die noch nie in ihrem Leben ein Auto gefahren hat. Den Führerschein habe sie nie gemacht, erzählt sie. Stattdessen ist sie mit Bus und Bahn unterwegs. Das sind seit einiger Zeit auch die bevorzugten Verkehrsmittel einer 80-jährigen Dame, die an unserer Befragung teilnimmt und viel vom Leben ohne Auto erzählen kann. »Wir hatten einige Unfälle und als uns dann noch die Scheibe vom Auto eingeschlagen wurde, haben wir beschlossen: Das Auto kommt weg«, erzählt sie.

Wegen einer Behinderung braucht sie kein Monatsticket. Ein entsprechender Hinweis im Schwerbehindertenausweis ist ihr Fahrschein. Ihre Einschränkung merkt man ihr im ersten Moment kaum an. Statt mit Rollator oder Krücken ist sie mit Nordic-Walking-Stöcken unterwegs. Trotzdem hat sie selten ein Problem, einen Sitzplatz zu finden, weil andere Fahrgäste ihr oft ihren anbieten. »Sogar die Kinder, das finde ich ganz toll«, freut sie sich.

Finanzielle Lage beeinflusst Verkehrsmittelwahl

Dass in Osterholz so viele Menschen mit dem öffentlichen Nahverkehr unterwegs sind, liegt nicht nur daran, dass hier ausschließlich umweltbewusste Menschen leben. Der Anteil der Menschen, die auf Sozialleistungen angewiesen sind, ist größer als in vielen anderen Bremer Stadtteilen, erzählt uns Quartiersmanager Aykut Tasan. Sie können sich ein eigenes Auto schlicht nicht leisten.

Dass die Straßenbahnlinie 1 seit einigen Jahren auch durch Osterholz fährt, habe die Anbindung des Quartiers massiv verbessert, sagt Ortsamtsleiter Ulrich Schlüter. Aber wie überall, gibt es auch hier ganz spezifische Verkehrsthemen, die den Stadtteil bewegen. Die Buslinie 37, die seit der Anbindung des Ortsteils an die Straßenbahn eine andere Route fährt, sei zwischen der Siedlung Am Großen Kuhkamp und Sebaldsbrück zu lange unterwegs, klagt Schlüter. Sie fährt anders als früher einen Schlenker über die Haltestelle Züricher Straße. Das verlängert einerseits die Fahrtzeit, ermöglicht aber andererseits den Anwohnerinnen und Anwohnern der Linie eine Anbindung zur Straßenbahn.

Straßenbahnerweiterung dringend erwünscht

Überhaupt Straßenbahn: Die Osterholzerinnen und Osterholzer warten auf die Querspange Ost, die perspektivisch die Linie 1 auf der Julius-Brecht-Allee mit den Linie 2 und 10 an der Bennigsenstraße verbinden soll. Für die Menschen aus dem Bremer Osten würde sich so der Weg ins Viertel und in die Innenstadt verkürzen.

Aber auch die Erweiterung der Straßenbahn bis zur Osterholzer Landstraße oder sogar darüber hinaus, ist im Stadtteil nach wie vor Thema. Dass diese Pläne in der Vergangenheit trotz jahrelanger Planung nicht weiterverfolgt wurden, ärgert Ortsamtsleiter Schlüter bis heute. »2,6 Millionen Euro wurden schon ausgegeben«, sagt er kopfschüttelnd.

Ortsamtsleiter mit Dienstfahrrad

Dabei hat Schlüter innerhalb seines Stadtteils sogar eigentlich ein anderes Lieblings-Verkehrsmittel. Er besitzt ganz offiziell ein Dienstfahrrad, natürlich vor Ort gekauft und das Fortbewegungsmittel der Wahl, wenn er es zum Termin nicht so weit hat.

Auch Beiratssprecher Wolfgang Haase besucht uns auf der BSAG-Tour. Ihm liegt die Anbindung des Quartiers rund um den Bultenweg am Herzen. Es sei schon seit Jahren eine Linie 35 versprochen, mahnt er. Tatsächlich gab es dort vor einigen Jahren versuchsweise ein Anruf-Linien-Taxi. Die geringen Nutzerzahlen rechtfertigten allerdings keinen Weiterbetrieb. Der seltene Takt und die Notwendigkeit, eine halbe Stunde vor Fahrtbeginn seine Fahrt anzumelden, sei einfach eine zu große Hürde, meinen die Menschen vor Ort.

25er-Bus ist ebenfalls bei Osterholzern beliebt

Übrigens spielt nicht nur die Straßenbahn eine wichtige Rolle für den 38.000-Einwohner-Stadtteil. »Der 25er-Bus ist unsere zweite Lebensader«, sagt Haase. Das berichtet uns auch eine andere Osterholzerin. Sie wünscht sich, dass der Bus abends länger im Zehn-Minuten-Takt fährt. Fährt die Linie 25 tagsüber teils sogar im Sieben-Minuten-Takt, ist sie ab 20 Uhr nur noch alle 20 Minuten unterwegs. »Dann ist es proppenvoll in den Bussen«, klagt die Frau. Die vielen Kinderwagen würden das Ein- und Aussteigen außerdem erschweren.

Insgesamt bleibt für uns in Osterholz der Eindruck: Die Menschen vor Ort wissen ihre gute Anbindung an den ÖPNV zu schätzen. Sie wollen aber, dass es noch besser wird. Straßenbahnausbau und eine Linie 35 – das steht ganz oben auf der Wunschliste.

Nächster Halt der BSAG-Tour: Findorff

Am Donnerstag, 13. September, macht die BSAG-Tour Halt in Findorff. Wir sind gespannt, was uns die Menschen im »Stadtteil mit Parkproblem« über ihr Mobilitätsverhalten erzählen. Wir freuen uns zwischen 8 und 13 Uhr auf Besucherinnen und Besucher an unserem Stand am Jan-Reiners-Center an der Hemmstraße.

Falls Sie nicht vor Ort dabei sein können, freuen wir uns auch hier im Blog über Ihre Kommentare zum Thema Mobilität der Zukunft. Gern können Sie auch den Fragebogen ausfüllen, mit dem wir in den Stadtteilen unterwegs sind. Schicken Sie uns Ihren Fragebogen einfach an blog@bsag.de

BSAG MobilDialog – 11.09.2018 Osterholz

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