Nordlicht

Das »Nordlicht« war zum ersten Mal in Bremen unterwegs

Von in Nordlicht

In der Nacht auf den 5. Mai hat das »Nordlicht« mit der Fahrzeugnummer 3202 zum ersten Mal das Betriebsgelände der BSAG verlassen. Um kurz nach Mitternacht begann die erste Fahrt durch seine neue Heimat Bremen. Noch ohne Fahrgäste, aber dafür mit einer klaren Mission: Die Strecke bis zur Barbarossastraße in der Neuen Vahr sollte befahren werden.

Dort werden in den nächsten Nächten die ersten Bremstests auf Bremer Gleisen stattfinden. Bevor es soweit ist, haben BSAG-Betriebsleiter Matthias Zimmermann, Holger Reuter, seit 20 Jahren Fachgruppenleiter Schienenfahrzeugtechnik bei der BSAG, und Tobias Bings vom »Nordlicht«-Hersteller Siemens bei einer ersten Netzfahrt ausprobiert, ob das »Nordlicht« die Barbarossastraße ohne Probleme erreichen kann.

»Klötzchentest« steht der neuen Bahn noch bevor

»Als wir die erste Haltestelle durchfahren hatten, wusste ich, dass es passt«, sagt Zimmermann. An keiner Stelle auf der Strecke kommt Bremens Straßenbahn den festen Bauten wie Bordsteinkanten oder Haltestellendächern zu nah. Das »Nordlicht« passt also ins Bremer Netz.

Das gilt zumindest für den Betrieb ohne Beladung, mit nagelneuen Rädern und bei besten Wetterbedingungen.  All diese Faktoren beeinflussen das Fahrverhalten einer Straßenbahn. Damit das »Nordlicht« aber auch unter ungünstigeren Bedingungen nirgendwo aneckt, steht für das Fahrzeug in den nächsten Tagen der sogenannten »Klötzchentest« an.

Dabei bringen die Mitarbeitenden des Indienststellungs-Teams mehr als 60 Styropor-Klötzchen außen am »Nordlicht« an. Sie simulieren das Lichtraumprofil der Straßenbahn, also den Raum, den das Fahrzeug zu den Seiten und nach oben hin maximal einnimmt, auch wenn es zum Beispiel in Bremen richtig stürmt. Denn auch unter solchen Bedingungen darf das »Nordlicht» natürlich nirgendwo anstoßen.

Dicht vorbei an der Werbetafel

An der Hollerallee scheint es einmal etwas knapp zu werden. Am beleuchteten Werbeschild im Haltestellenbereich schiebt sich die Straßenbahn dicht vorbei. Holger Reuter steigt aus und misst den Abstand zwischen Werbetafel und Fahrzeug – er liegt deutlich über dem Minimalwert. Kein Grund also zur Sorge und die Fahrt kann weitergehen.

Betriebsleiter Matthias Zimmermann legt die Fahrt Richtung Neue Vahr »freihändig« zurück. Das heißt: Die Tour vom BSAG-Zentrum in der Neustadt bis zum Betriebshof im Bremer Osten ist nicht im Intermodal Transport Control System (ITCS), dem Bordcomputer der Bahn, eingespeichert. Schließlich folgt die nächtliche Testfahrt keinem regulären BSAG-Kurs. Automatische Weichenschaltung und Anforderung von Fahrsignalen an Ampelkreuzungen gibt es nicht. Sie müssen deshalb manuell vorgenommen werden.

Volle Fahrt voraus an der Barbarossastraße

Die Kolleginnen und Kollegen aus der Leitstelle sind aber informiert, dass das »Nordlicht« zunächst auf der Strecke der Linie 4 und im späteren Verlauf der Testfahrt auf der Linie 1 unterwegs ist und haben das Fahrzeug vom Flughafendamm aus virtuell im Blick.

Am schnurgeraden Streckenabschnitt an der Barbarossastraße angekommen, nutzt Zimmermann die Gunst der Stunde und bringt das »Nordlicht« zum ersten Mal auf seine Spitzengeschwindigkeit von 70 Stundenkilometern. Ohne Weichen, die überfahren werden müssen, rauscht Bremens neue Straßenbahn leise über die Gleise. Nur das Surren der Elektromotoren ist zu hören.

Passt das »Nordlicht« unters Dach?

Wenig später erreicht die Gruppe das Betriebsgeländer in der Neuen Vahr. Das »Nordlicht« zieht sofort Fahrdienstmitarbeitende sowie Kolleginnen und Kollegen aus der Werkstatt an. Wegen der anhaltenden Corona-Krise gab es anders als bei früheren Fahrzeugeinführungen bisher keine interne Veranstaltung, bei der alle Mitarbeitenden die neue Straßenbahn erkunden konnten. Jetzt nutzen sie deshalb gern die Gelegenheit und inspizieren das »Nordlicht« von innen und außen. »Futuristisch« und »schick« lautet das einhellige Urteil.

Nach kurzer Pause geht es schließlich zurück in Richtung Neustadt. Am Hauptbahnhof wartet noch eine Probe auf Bremens neue Straßenbahn. In dieser Fahrtrichtung passiert sie nämlich eines der Gleise, über das die Bedachung der Haltestellenanlage ragt. Das »Nordlicht« ist höher als seine Vorgängerinnen. Den Stromgeber hat jetzt Holger Reuther übernommen. Betriebsleiter Zimmermann schaut von außen genau hin, ob das Fahrzeug droht, an der Überdachung anzustoßen. Die Sorge bestätigt sich nicht: Es passt.

Neues Fahrzeug macht seinem Namen alle Ehre

Inzwischen ist es 3 Uhr nachts. Die erste Testfahrt von Bremens neuer Straßenbahn geht ohne weitere Zwischenfälle zu Ende.

Ein weiteres Ergebnis hat der nächtliche Ausflug übrigens außerdem geliefert. Das »Nordlicht« macht seinem Namen alle Ehre. Die Scheinwerfer leuchten den Bereich vor der Straßenbahn ziemlich hell aus – zu hell. Entgegenkommende Fahrdienstmitarbeitende weisen auf das Blenden hin – und entgegenkommende Autofahrende begrüßen das »Nordlicht« wohl aus dem gleichen Grund teilweise mit Lichthupe. Deshalb müssen die Scheinwerfer jetzt nochmal nachjustiert werden, damit das »Nordlicht« hell leuchtet ohne zu blenden.


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Alle Infos und Geschichten rund um Bremens neue Straßenbahn gibt es hier.

2 Kommentare

  1. Avatar
    Draco 7 Monaten vor

    Wusste gar nicht, dass die BSAG jetzt auch Bierwerbung macht
    Nordlicht ist auch eine Biermarke

    • Avatar
      Andreas Holling 7 Monaten vor

      Moin Draco,

      ein interessanter Hinweis 🙂 Wir machen mit dem Namen übrigens offenbar auch indirekte Werbung für ein Taschen-Label. Aber wir sind überzeugt: Weder eine Flasche Craft-Bier noch ein Rucksack halten so lange, wie unsere neue Straßenbahn. Falls dich noch interessiert, woher der Name kommt – hier erklärt es unser Arbeitsdirektor Michael Hünig: Link.

      Viele Grüße aus der Redaktion

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